Die Pandemie hat die Arbeitsweise der Hochschulbildung vollständig verändert – das wissen wir inzwischen alle. Was wir nicht wissen, ist, welche organisatorischen Veränderungen, Praktiken und Werkzeuge, die als Reaktion auf COVID-19 eingeführt wurden, uns über Jahre erhalten bleiben.

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Projekts Horizon 2021 von EDUCAUSE, einer gemeinnützigen US-Vereinigung, die die Hochschulbildung mithilfe von Technologie voranbringen will. Ergebnis der Untersuchung ist der 2021 EDUCAUSE Horizon Report® Teaching and Learning Edition, dessen zentrale Erkenntnisse im Folgenden vorgestellt werden.

Der EDUCAUSE Horizon Report® 2021 beschreibt die wichtigsten Trends, Technologien und Praktiken, die die Zukunft der Hochschulbildung prägen, und stellt zugleich eine Reihe möglicher Szenarien vor. Der Bericht stützt sich auf Wissen, Erfahrungen und Prognosen eines internationalen Panels von Führungspersönlichkeiten aus der Wissenschaft weltweit. Das Panel nutzte eine abgewandelte Delphi-Methode und übernahm zudem Elemente der Foresight-Methodik des Institute for the Future.

ZENTRALE TECHNOLOGIEN UND PRAKTIKEN

Die am EDUCAUSE-Projekt beteiligten Expertinnen und Experten benannten Technologien und Praktiken, die die Zukunft der Hochschulbildung besonders prägen. Aus einer Ausgangsliste von 141 ermittelten Lösungen wurden nach mehreren Abstimmungsrunden die sechs wichtigsten ausgewählt.

Die beiden am häufigsten hervorgehobenen Bereiche sind qualitätsvolles Online-Lernen und offene Bildungsressourcen. Die zentrale Aufgabe für Hochschulen besteht nun darin, sich auf Qualität zu konzentrieren – in naher Zukunft gilt es, Verfahren und Methoden zu entwickeln, Kurse von vornherein als Fernlehrangebote zu konzipieren und Technologien einzuführen, die wirksames Online-Lernen ermöglichen.

Hochwertige Bildung ist unmittelbar an gut aufbereitete Lehrmaterialien gebunden. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage hat die Bedeutung kostenfreier offener Bildungsressourcen zugenommen. Ebenso wichtig sind von der Hochschule bereitgestellte digitale Materialien, die Studierende überall und jederzeit nutzen können. Auch der Abbau von Barrieren beim Zugang zu Lehrmaterialien und die Sicherstellung der Barrierefreiheit für alle Studierenden sind bedeutsame Aufgaben.

Das Wachstum von Microcredentials und alternativen Nachweisen im Hochschulumfeld ist ein weiterer im Bericht benannter Trend. Microcredentials sind digitale Nachweise für bestimmte Fähigkeiten, Kompetenzen und Leistungen von Studierenden, die von Hochschulen ausgestellt werden. Hochschulen setzen sie zunehmend in Online-Kursen ein, in denen Studierende digitale Abzeichen erwerben können, mit denen sie ihre Fähigkeiten in sozialen Netzwerken wie LinkedIn sichtbar machen.

Datenanalyse ist ein weiterer Schlüsselbereich für die Zukunft der Hochschulen. Es zeigt sich deutlich, dass Hochschulen über mehr Daten verfügen, als sie ohne passende Strategie und Werkzeuge wirksam nutzen können. Mithilfe von Datenanalyse können Hochschulen bessere, evidenzbasierte Entscheidungen treffen, die zu größerer institutioneller Beweglichkeit, optimierten Abläufen und höherer Bildungsqualität führen.

Hybride Lernmodelle, auch als Blended Learning bekannt, sind eine Praxis, die nach Einschätzung der Fachleute künftig fester Bestandteil der Hochschullandschaft sein wird. Zwar möchten viele Studierende und Lehrende zur Präsenzlehre zurückkehren, doch schätzen sie zugleich die Bequemlichkeit ortsunabhängiger Lösungen. Die Hochschulen werden den goldenen Mittelweg zwischen beiden Bildungsmodellen finden müssen.

Zuletzt steht auf der Liste der zentralen Technologien die künstliche Intelligenz. Ihr Einsatz in der Hochschulbildung ist nach wie vor umstritten, doch wird sie zunehmend erfolgreich in Lösungen wie LMS, Studierendeninformationssystemen, Plagiatserkennung und Prüfungsaufsicht eingesetzt (etwa in Inspera).

Zu jeder der genannten Technologien und Praktiken enthält der Bericht zahlreiche Beispiele für Projekte und Maßnahmen von Hochschulen aus verschiedenen Ländern der Welt.

ZENTRALE TRENDS

Neben konkreten Technologien und Praktiken von größter Bedeutung benannten die Fachleute auch allgemeine Trends, die die Hochschulbildung am stärksten beeinflussen und ihre Zukunft prägen. Wir führen alle ermittelten Trends kurz auf – für ausführliche Beschreibungen ihrer Wirkung sei auf den Bericht verwiesen.

Die wichtigsten Trends für die Zukunft der Hochschule laut EDUCAUSE-Bericht:

  • gesellschaftliche Trends – die Zunahme ortsunabhängiger Arbeit und Bildung, häufigere psychische Belastungen sowie eine wachsende digitale Kluft;
  • technologische Trends – verstärkter Einsatz von Bildungstechnologien, breite Verankerung hybrider Lernmodelle und Ausbau der digitalen Kompetenzen der Lehrenden;
  • wirtschaftliche Trends – sinkende Hochschulfinanzierung, wirtschaftliche Unsicherheit, Veränderungen am Arbeitsmarkt und Nachfrage nach anderen Kompetenzen der Beschäftigten;
  • ökologische Trends – Klimawandel, nachhaltige Entwicklung und weniger Dienstreisen;
  • politische Trends – zunehmende Globalisierung im Netz, erstarkender Nationalismus sowie häufig wechselnde Prioritäten und Vorgaben der Politik, was zu instabilen rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Hochschulen führt.

Vieles mehr, darunter prognostizierte Zukunftsszenarien und Analysen ausgewählter Bildungsmärkte weltweit, finden Sie im vollständigen 2021 EDUCAUSE Horizon Report® Teaching and Learning Edition, der kostenlos auf der EDUCAUSE-Website verfügbar ist. Wir empfehlen die Lektüre des Berichts sehr!